Gedanken zum Tag — 15. Mai 2022 — Fünfter Sonntag der Osterzeit

Liebe Mitmen­schen,
schon häufiger habe ich mich in den Wochen nach Ostern gefragt: Was bleibt eigent­lich von Ostern? Im litur­gi­schen Raum fällt da natür­lich die Oster­kerze auf, zumal sie in der Oster­zeit nahe beim Altar steht.
Kürz­lich fiel mir der Entwurf eines Fami­li­en­got­tes­dienstes in die Hände, den wir am 2. Mai 2010 – auch da 5. Sonntag der Oster­zeit — in St. Martinus gefeiert haben. Verschie­dene Kinder erzählten dabei von ihrer Oster­er­fah­rung. Ich lasse sie hier noch einmal zu Wort kommen:

„Seit 29 Tagen steht eine neue Oster­kerze im Altar­raum. In der Oster­nacht wurde diese Kerze feier­lich in die dunkle Kirche gebracht. Wir Kommu­ni­on­kinder waren dabei, wie draußen vor der Kirche am Feuer diese Kerze entzündet wurde. Pfarrer Stei­ling hat dann die 5 Wachs­nägel in die Kerze gesteckt. Was kaum jemand gesehen hat waren die 5 Weih­rauch­körner, die zuvor in die Kerze gesteckt wurden. Weih­rauch­körner und Wachs­nägel sind Zeichen für die Wund­male von Jesus am Kreuz.“
„Das habe ich gar nicht gewusst, aber ich weiß, dass die fremden Zeichen aus dem grie­chi­schen Alphabet sind. Alpha und Omega, der erste und letzte Buch­stabe: Jesus ist Anfang und Ende.“
„Meine Mama hat mir erzählt, dass meine Tauf­kerze an der Oster­kerze ange­zündet wurde. Jetzt verstehe ich auch, warum das so war. Mit der Taufe hat mein Weg mit Jesus begonnen.“
„Und was ist dann mit dem Ende?“ „Ganz einfach: Am Ende steht bei Jesus Ostern. Da feiern wir doch die Aufer­ste­hung Jesu, und daran glaube ich ganz fest.“
„Das Licht der Oster­kerze ist auch ein Licht der Liebe. Jesus sagt heute im Evan­ge­lium: Ein neues Gebot gebe ich Euch: Liebt einander! Wie ich Euch geliebt habe, so sollt Ihr einander lieben. Das kann man mit dem Licht beson­ders gut zeigen, dass wir die Liebe weiter­geben können.“
„Das Licht der Liebe, das wir von Gott bekommen haben, können wir weiter­geben. Gott liebt uns. Wir dürfen diese Liebe weiter­geben, indem wir teilen, helfen und trösten. So bleibt die Oster­freude, wie Jesus uns verspro­chen hat: Liebt einander, so wie ich Euch geliebt habe.“
(Kinder zünden eine kleine Oster­kerze an der großen Oster­kerze an und stellen diese auf den Altar.)

Diese Gedanken helfen mir, die Oster­bot­schaft weiter ins Jahr mitzu­nehmen. Dabei lassen sich Oster­spuren entde­cken, die trag­fähig sind. So wie es in einem Lied von Rein­hard Bäcker heißt:
„Wo einer dem andern neu vertraut und mit ihm eine Brücke baut, um Hass und Feind­schaft zu über­winden: Da kannst du OSTERSPUREN finden!“
Ich wünsche uns allen gute Osteraugen!

Vero­nika Rademacher
(Gemein­de­mit­glied von St. Martinus)

 

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