Gedan­ken zum Tag — 21. Juli 2021, Mitt­woch der 16. Woche im Jahreskreis

21. Jul 2021 | Gedanken zum Tag

Die schreck­li­chen Bilder der Stark­re­gen­ka­ta­stro­phe in den vergan­ge­nen Tagen haben mich sehr berührt. Tausen­de Menschen in unse­rem Lande verlo­ren ihr Zuhau­se, ihren Besitz, persön­li­che Dinge, die ihnen wich­tig waren, etli­che sogar ihre Ange­hö­ri­gen oder ihr eige­nes Leben.

In den Medi­en fragt man nun nach Versäum­nis­sen und Verant­wor­tun­gen. Dabei haben wir alle in unse­rer indus­tria­li­sier­ten und struk­tu­rier­ten Welt unser Bewusst­sein für die Gefahr, die von Natur­phä­no­me­nen ausge­hen kann, verküm­mern lassen.

Begeis­tert hat mich — neben der Soli­da­ri­tät vieler Menschen beim Aufräu­men, Bergen, Retten und Spen­den — das Beispiel des 67jährigen Bauun­ter­neh­mers aus der Eifel, der sich am vergan­ge­nen Donners­tag ohne Zögern dazu bereit erklär­te, den mit Erdbo­den und Geröll zuge­schwemm­ten Abfluss der Stein­bach­tal­sper­re in Euskir­chen frei­zu­bag­gern. Dort stand zu befürch­ten, dass der Stau­damm brechen könn­te, wenn es nicht gelän­ge, den Druck von der über­vol­len Talsper­re zu nehmen. Ganze sechs Stun­den lang arbei­te­te der Tief­bau­er Hubert Schil­les 18 Meter unter dem Wasser­spie­gel der Talsper­re in höchs­ter Lebens­ge­fahr und schau­fel­te nach und nach den Abfluss frei. Beein­dru­ckend seine Beschei­den­heit im Hinblick auf diesen Einsatz und seine tiefe Verwur­ze­lung im Glau­ben. „Ich bin ein gläu­bi­ger Mensch.“ sagte er später der Pres­se. „Ich habe mich zwei­mal geseg­net, bevor ich da runter bin und habe mit dem Rosen­kranz in der Hand meine Arbeit getan.“

Ein star­kes Zeichen, das Mut macht und guttut. Viel­leicht muss es nicht immer gleich um den Einsatz von Leib und Leben gehen, aber ganz sicher gibt es für jeden von uns immer wieder mal Gele­gen­hei­ten, zum eige­nen Glau­ben zu stehen und Beispiel in punc­to Haltung und Mitmensch­lich­keit zu sein. Dass wir die Kraft und Initia­ti­ve finden, diese Gele­gen­hei­ten zu sehen und zu nutzen, wünsche ich uns allen.

Herz­li­che Grüße
Dr. Stefan Reißner