Gedanken zum Tag — 22. Juni 2022 — Mitt­woch der 12. Woche im Jahreskreis

„Manchmal ist das große Glück ganz klein, und manchmal kommt es nicht allein!“: Im Dezember bin ich noch­mals Mama geworden. Gleich zwei kleine Wonne­proppen kamen gesund und munter zur Welt und haben unser Leben durcheinandergewirbelt.

Heute, nach dem ersten Eingrooven in den neuen, kunter­bunten Alltag, kann ich sagen: Als Groß­fa­milie ist vieles anders. Ein großes Auto muss her, irgendwie werden die Zimmer im Haus knapp, das Geräusch vom Rasen­mäher scheint eine wohl­tu­ende Entspan­nung für die Ohren zu sein. Doch mit dem Errei­chen der ersten großen Meilen­steine wird mir immer wieder warm ums Herz: Das erste Lächeln, das erste laute Glucksen, das aufge­regte Stram­peln beim Anblick des Brei­schäl­chens oder der schönste Moment am Tag: Wenn der große Bruder die Gute-Nacht-Geschichte vorliest und alle drei gemeinsam kuscheln.
Doch anfangs war es ein riesiger Schreck, dass es gleich zwei werden. So viele Fragen und Zweifel, die durch meinen Kopf geis­terten. Die Sorge, Verant­wor­tung für drei Kinder über­nehmen zu müssen, und dabei allen Kindern gleich gerecht werden zu können, beglei­tete mich jeden Tag durch die Schwan­ger­schaft und oftmals auch heute noch. An manchen Tagen habe ich nur einen der Zwil­linge ständig auf dem Arm, während der andere warten und sich irgendwie mit seinen fast sechs Monaten selbst beschäf­tigen muss. Ganz zu schweigen vom Großen, für den ich abends eine Mitfahr­ge­le­gen­heit zum Fußball­trai­ning orga­ni­sieren muss, sofern mein Ehemann noch arbeitet.

Dieser Verant­wor­tung gerecht zu werden und jedes der Kinder in seiner Indi­vi­dua­lität zu unter­stützen und zu begleiten, kann keine Mutter der Welt alleine stemmen. Dazu braucht es ein kleines Dorf aus Familie und Freunden, das sich enga­giert und kümmert.

Am 19.Juni sind die Zwerge in der Kirche in Isering­hausen getauft worden. Zuvor fragte uns der Große, wieso man getauft wird. Eine gute Frage, wie ich finde. Irgendwie gehört das ja einfach dazu, war mein spon­taner Gedanke, und außerdem bekommen die beiden dann ganz offi­ziell ihre Namen. Aber letzt­lich ist die Taufe ja viel mehr als ein Fest der Namens­ge­bung. Durch die Taufe werden sie in die christ­liche Gemein­schaft aufge­nommen und wissen sich in der Kirchen­ge­meinde in Isering­hausen aufge­hoben. Hier werden sie liebe­volle Menschen kennen­lernen, Freunde und gute Bekannte. Aber auch wir als Eltern finden hier unter­stüt­zende Hände, die zu unserem kleinen, ganz persön­li­chen Dorf gehören.

Das weiße Tauf­kleid­chen, welches den Zwil­lingen aufge­legt worden ist, dient als Symbol dafür, dass Jesus die Täuf­linge von allen Seiten umgibt. Somit obliegt uns zwar die Verant­wor­tung, ihnen den christ­li­chen Glauben nahe­zu­bringen; aber gleich­zeitig wissen wir, dass sie in die schüt­zenden Hände Gottes gelegt werden. Wir geben ihnen aber auch eine grund­le­gende Orien­tie­rung mit: Die Geschichten und Worte von Jesus. Darüber hinaus haben wir uns für einen Tauf­spruch entschieden, der als Spruch fürs Leben fungiert: „Der Herr wird seinen Engel mit dir schi­cken und deine Reise gelingen lassen.“ (1. Mose 24,40). Die beiden sollen wissen, dass sie auf ihrem Lebensweg niemals allein sind und dass sie stets Unter­stüt­zung und Hilfe bekommen, sofern sie diese benötigen.

„Hilf auch den Paten, dass sie meinen Geschwis­tern Vorbild im Leben und im Glauben sind“, las der große Bruder seine Fürbitte vor. Wir sind also nicht allein, wenn es um die wich­tigen Fragen im Leben geht. Die Paten sollen Gefährten der Kinder werden, in leichten und schwie­rigen Lebens­phasen. Sie begleiten sie bei wich­tigen Meilen­steinen und bieten immer ein offenes Ohr und offene Arme für ihre Paten­kinder. Wir als Eltern wählten die Paten unserer Spröss­linge mit Bedacht aus. Mit ihnen teilen wir uns die große Verant­wor­tung, dass unsere Kinder zu großen Persön­lich­keiten reifen können. Sie sind Vertraute von uns und sollen dies auch für die Kinder werden. Paten packen an und freuen sich, mit ihren Paten­kin­dern Zeit zu verbringen. So beschenkt die Paten­tante den Großen zum Geburtstag oftmals mit Action-Tagen, an denen er mit seinen Wünschen und Bedürf­nissen absolut im Mittel­punkt steht. Gleich­zeitig wird mir als Mutter die Sorge abge­nommen, nicht allen gleich gerecht werden zu können. Ohne Paten wäre unser Dorf unvollständig!

Ihnen allen wünsche ich eben­falls ein solches Dorf, auf das man sich verlassen kann und in dem man sich aufge­hoben weiß.

Hanna Reuber
(Gemein­de­mit­glied aus Drol­s­hagen, Kirchen­ge­meinde St. Anto­nius — Iseringhausen)

 

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