Gedanken zum Tag — 24. Juli 2022 — 17. Sonntag im Jahreskreis

Heilige Momente

Das Wort „heilig“ verweist auf die „Sphäre des Gött­li­chen“. Wir glauben oft, diese Sphäre nur im reli­giösen Raum zu finden, in einer Kirche, bei einer Messe, beim Empfang eines Sakra­ments. Doch es gibt auch „Heiliges“ außer­halb dieser Räume, zum Beispiel:

Die Geburt eines Kindes.
Der erste Kuss zwischen Liebenden.
Der voll gedeckte Tisch armer Leute für einen fremden Gast.
Die tiefe Empfin­dung der Nähe Jesu eines 10-Jährigen beim Empfang der ersten Kommunion.
Die rollenden Tränen beim Hören einer Opern-Arie von Mozart oder einer Bach-Arie aus der Matthäus-Passion.
Die Ankunft auf einem Alpen­gipfel nach schwerem Aufstieg.
Die Umar­mung der Mutter und die Umar­mung des Vaters nach dem „Coming-Out“ des Kindes.
Das Hand-Halten beim Sterben eines geliebten Menschen.
Der tröst­liche Sonnen­auf­gang nach einer Nacht voller Sorgen.
Der echte Dank eines Menschen, dem man helfen konnte.
Die aufrich­tige Versöh­nung nach einem heftigen Streit.

Viele Lese­rinnen oder Leser werden hier starke Momente aus ihrem Leben hinzu­fügen wollen. Manchen wird es aber auch schwer­fallen, etwas Erlebtes als etwas ganz Beson­deres wahr­zu­nehmen. Acht­sam­keit sich selbst gegen­über ist dazu eine unab­ding­bare Voraussetzung.
Ich empfinde sie als „heilige Momente“.

Wir spüren und erfahren in ihnen die „Sphäre des Göttlichen“.
Mit anderen Worten: Sie zeigen, dass Gott mit uns ist.

Dr. Stephan Schlösser
(Vorsit­zender des Heimat­ver­eins für das Drol­s­ha­gener Land)

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