Gedanken zum Tag — 25. Juli 2021, 17. Sonntag im Jahreskreis

Im Zwie­spalt zwischen „Endlich kann man wieder mit Freunden feiern“ und „Mal lieber noch etwas vorsichtig sein“ befindet sich momentan wohl nahezu jeder. Die poli­ti­schen Verord­nungen zur aktu­ellen Coro­na­si­tua­tion lassen glück­li­cher­weise wieder Einiges zu. Oder ist das doch ein Hauch von Wahnsinn?

Eine der wenigen Feiern, die ich in den letzten Monaten besu­chen konnte, war die Heilige Messe in meiner Heimat­ge­meinde St. Anto­nius in Isering­hausen. Und auch hier habe ich mich oft gefragt: „Kann das denn jetzt richtig sein, wo ich selbst in meinem Beruf alles absagen und verschieben muss und auch den Kontakt mit Kolle­ginnen und Kollegen auf ein Minimum redu­ziert habe?“ Dass viele Rege­lungen im Vergleich zu den jewei­ligen Situa­tionen unver­hält­nis­mäßig erscheinen, dachten sich sicher­lich viele in den letzten Monaten. Wenn ich mich damit wohl gefühlt habe, die Messe zu besu­chen, dann hat es mir auch gutgetan. Und zwar gerade weil es dann doch so anders war. Es war stiller. Die Teil­nahme war augen­schein­lich passiver und doch aufrichtig: Anstatt selbst mitzu­singen, hat man einer Schola gelauscht. Auf einmal gingen Töne wieder unter die Haut – denn wann hat man mal Live-Musik hören können? Es wurde leiser und andäch­tiger, aber doch gemeinsam gebetet. Man war sehr konzen­triert auf sich selbst und doch nicht allein. Es war eine Möglich­keit, etwas gemein­schaft­lich und doch für sich zu tun.

Jetzt ist die Freude groß, viele Freunde und Bekannte wieder­zu­sehen, die man größ­ten­teils seit bald 1 ½ Jahren nicht mehr gesehen hat. Es ist auf einmal fast schon aufre­gend, Termine in den Kalender einzu­tragen. Und ehe man sich versieht, sind wieder sämt­liche Wochen­enden bis tief in den Herbst verplant und man ist im „ganz normalen Wahn­sinn“ von vor 2020. Private Einla­dungen aber auch das Kultur­pro­gramm für die Stadt Olpe füllen beispiels­weise meinen Kalender. Es macht riesigen Spaß zu wissen, dass wir mit unserer Arbeit wieder Menschen Freude bereiten können – und zwar dem Publikum wie auch den Künst­le­rinnen und Künst­lern glei­cher­maßen. Dass die zahl­rei­chen Verschie­bungen nun endlich statt­finden können. Es hat sich ein regel­rechter „Durst nach Kultur“ breit­ge­macht und alle sind Feuer und Flamme auf Konzerte, Theater und mehr. Und der bringt vor allem Eines mit sich unter unseren Gästen: Dank­bar­keit. Ich glaube das ist ein ganz großes Gut, dass wir in dieser Pandemie neu zu schätzen gelernt haben. Dankbar sein. Einfach einmal mit einem gewissen Stolz auch sagen zu können „Mir geht’s gut.“ Oder „Ich freue mich auf…“. Und doch zittere ich noch etwas und hoffe sehr, dass wir in diesem Jahr die Theater- und Konzert­spiel­zeit, die im vergan­genen Jahr durch die Pandemie ausfallen musste, nach­holen können.

„Das, was möglich ist, möchten wir auch möglich machen – und das geht nur, wenn wir uns alle entspre­chend verhalten. Dann werden diese Konzerte ein Genuss“, waren meine einfüh­renden Worte, als wir im vergan­genen Sommer die Pick­nick-Konzerte im Stadt­park durch­führen konnten, womit wir kaum noch gerechnet hätten. Und so ist es jetzt gerade auch wieder – Gott sei Dank. Denn ich hätte im Früh­jahr noch nicht damit gerechnet, dass wir die jetzige Zeit wieder so genießen können.

Ich denke, eine gewisse Zuver­sicht dürfen wir haben, beson­ders, weil die Impfungen in unserem Umfeld so weit voran­ge­schritten sind. Auch ich freue mich, an diesem Wochen­ende mit Freunden im privaten Rahmen das ausge­fal­lene Schüt­zen­fest in unserem Dorf zu feiern. Getestet oder geimpft zu sein, ist da die kleinste Hürde, die alle gerne auf sich nehmen. Da ist er wieder – dieser Zwie­spalt zwischen „Endlich kann ich wieder mit Freunden feiern“ und „Mal lieber noch etwas vorsichtig sein“ bezie­hungs­weise „Ist es doch ein Hauch von Wahn­sinn“? Wahr­schein­lich ein biss­chen von allem. In jedem Falle aber Balsam für die Seele.

Klarissa Hoff­mann
(Leiterin des Amts „Stadt­mar­ke­ting & Kultur“ der Kreis­stadt Olpe und Mitglied im Pfarr­ge­mein­derat Drolshagen-Iseringhausen)

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