Gedan­ken zum Tag — 26. Septem­ber 2021, 26. Sonn­tag im Jahreskreis

26. Sep 2021 | Gedanken zum Tag

Liebe Lese­rin­nen, liebe Leser,

Am heuti­gen Sonn­tag hat ganz Deutsch­land die Wahl! Die Wahl zwischen „mehr“ oder „weni­ger“, zwischen „weiter so“ oder „nie wieder“, zwischen „ganz“ oder „gar nicht“ – und für eini­ge wirkt es mitun­ter wie eine Qual der Wahl.

Dabei zeigt ein Blick in ande­re Teile der Welt, wie bedeut­sam es ist, eine Wahl zu haben. Denn die Wahl aus mehre­ren Möglich­kei­ten ist ein wesent­li­cher Teil echter Frei­heit. Unse­re eige­ne Geschich­te lässt uns demü­tig erin­nern, dass Frei­heit und „die Wahl zu haben“ stär­ker sind als eine Mauer aus Stein und Stacheldraht!

Doch wonach tref­fen wir unse­re Wahl? Welche Krite­ri­en stel­len wir auf? Wie erfül­len wir letzt­lich unse­re Verantwortung?

Die Antwor­ten auf diese Fragen sind so indi­vi­du­ell wie viel­fäl­tig: Die einen stel­len sich und ihr (vermeint­li­ches) Wohl in den Mittel­punkt, die ande­ren ausschließ­lich das (vermeint­li­che) Wohl „der anderen“.

Bereits seit vielen hundert Jahren berich­tet das Alte Testa­ment von einer beson­de­ren Auswahl, die sicher auch Ihnen bekannt ist: Der Auswahl durch Gott und die Salbung Davids als jüngs­ter von Isais‘ Söhnen zum König von Isra­el (Samu­el 16,1).

Dort heißt es: „Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“

Auf den ersten Blick ist man geneigt zu sagen:
„Bitte wer mag auf dieser Grund­la­ge komple­xe Entschei­dun­gen im Beruf, in der Gesell­schaft oder in heraus­for­dern­den Situa­tio­nen und Lebens­la­gen des 21. Jahr­hun­derts treffen?“

Auf den zwei­ten Blick aber wird deut­lich, dass das Alte Testa­ment eine weise Empfeh­lung ausspricht: Die Empfeh­lung von Mitge­fühl und Empa­thie. Dabei sollen Mitge­fühl und Empa­thie nicht bloße Krite­ri­en einer Entschei­dungs­fin­dung sein.

Viel­mehr sollen sie unser ganz alltäg­li­ches Mitein­an­der prägen. Und auch darüber hinaus, in den komple­xen Anfor­de­run­gen von Poli­tik und Gesell­schaft sind sie unab­ding­bar. Nur durch Mitge­fühl und Empa­thie gelin­gen echter, fairer Austausch und aufrich­ti­ger Kompro­miss. Und diese haben unse­re moder­ne Gesell­schaft viel­leicht aktu­ell nöti­ger denn je.

Lassen Sie uns also „das Herz“ in den Blick nehmen. Wenn uns dies gelingt, haben auch wir schon eine rich­ti­ge Wahl getroffen!

Phil­ipp Scharfenbaum