Fenster der Kirche

Da durch den Bombenangriff 1945 fast alle Fenster der Kirche zerstört wurden (nur drei kleine in der ehemaligen Taufkapelle im Südturm, jetzt Sakramentskapelle, sind erhalten) stammen alle Fenster aus der Zeit nach dem Krieg.

Jedes von ihnen hat ein farbliches Eigenleben und ein eigenes Thema. In der Gesamtheit jedoch ergeben sie eine Lichtführung, die den Blick zum Altar lenkt und die gewaltigen Raumdimensionen unserer Kirche auch für einen einzelnen, stillen Beter nicht zu groß erscheinen lässt.

Die Chorfenster, an der wichtigsten Stelle der Kirche hinter der Sakramentsstele eingefügt, glühen in dunklen Farben und ziehen so den Blick der Betrachter auf sich. (Prof. Heinrich Kamps, Düsseldorf) Die drei „Hoch-Zeiten“ sind hier dargestellt:
Ostern als Zentrum unseres Glaubens ist die Mitte, der Auferstandene dominiert in rotem Gewand. Weihnachten (links) und Pfingsten (rechts) sind in den Farben zurückgenommen und weisen mehr blau auf.

Die anschließenden seitlichen Chorfenster sind grau-ornamental gehalten und dienen als Lichtspender für den Altarraum. Sie gehen über in weitere helle Fenster mit sparsamem Figurenschmuck.

Erst die Querschiffe sind wieder durch starkfarbige Glaskompositionen abgeschlossen, in denen auf jeweils schmalem Hochformat ein Heiliger dargestellt ist. (Wilhelm Rengshausen, Lünen) Dieses sind die Fenster, die Kinder besonders lieben. Hier kann man die mildtätigen Königinnen sehen, Elisabeth und Hedwig (links) oder auf der rechten Seite Thomas Morus, der Gott gehorsamer war als dem Staat und Pius X., der den Kindern die frühe Erstkommunion erlaubte, oder Christophorus, der nun sogar dafür gebraucht wird, Autos überzusetzen, und Hubertus, dem wir die Existenz einer echten „Olper Bracke“ in der Kirche verdanken.

Eine eigene Geschichte erzählen die Fenster der Seitenschiffe, in denen W. Rengshausen seine Meisterwerke geschaffen hat. In gedämpftem, wässrigem Blau in vielen Schattierungen erzählt er die Erschaffung der Welt, beginnend mit dem Thema „die Erde war wüst und leer“ bis zur „Vertreibung aus dem Paradies“. Wie der Künstler hier das abstrakte „Nichts“ darstellt und wie er dann stufenweise nach dem Schöpfungsbericht weiter vorgeht, das zu erkennen, dazu braucht man keine Anleitung. Man muss nur hinsehen.

In den anschließenden Fenstern (über den Seitentüren) schweben männlich aussehende Engel: Raphael, der Begleiter und Michael, der Streiter. Schutz und Programm für den, der die Kirche verlässt.

Noch eine Idee des Glasmalers Rengshausen: Die Kapelle unter dem linken, nördlichen Turm war den Gefallenen des Ersten Weltkrieges gewidmet, bevor die Gemeinde für die Toten beider Weltkriege eine Kapelle auf dem Kirchplatz über der Mauer errichtete.

In den beiden Fenstern, vor denen ehemals Tafeln standen, ist der Schmerz dargestellt: Rote Tropfen stehen für das vergossene Blut der Toten, die blauen Tropfen im anderen Fenster symbolisieren die Tränen der in der Heimat Zurückgebliebenen.

Heute ist hier eine stille Ecke für Beter entstanden. Vor dem Bild der „Immerwährenden Hilfe“ brennen immer lichter, beten fast immer Menschen. Das Fenster mit den Tränen hat hier wohl heute noch seinen richtigen Platz.

Quelle:

Gretel Kemper