Innenraum der Kirche

Portrait

Zweite Überschrift (z.B. Mehr als 700 Jahre Kirchengeschichte in Olpe)

Der Innenraum der Kirche fasst bis zu 2000 Menschen bei 650 Sitzplätzen. Zwei Säulenreihen aus rotem Sandstein teilen sie in ein Mittel- und zwei Seitenschiffe. Die sehr reich aufgeteilte Gewölbedecke macht diese Einteilung noch deutlicher und betont die Vierung als Treffpunkt von Langschiff, kurzen Querschiffen und Chorraum, sodass sich der Grundriss eines Kreuzes ergibt.

Die Apsis ist nach Osten ausgerichtet. Diese mittelalterliche Idee ist erhalten worden, weil der Neubau des Jahres 1907 die Ausrichtung aller Vorgänger übernommen hat.

Durch Renovierungsarbeiten, zuerst nach der Zerstörung durch die Bomben nach 1945, dann wieder 1958 und 1973, hat die Kirche ihr ursprüngliches Konzept eines dunklen, ausgemalten Raumes verloren. Sie ist als Heimat der Gemeinde jeweils deren gewandelten Bedürfnissen angepasst worden.

Heute kommen die guten Proportionen der Architektur (J. Klomp, dortmund) besser zur Geltung. Die helle Grundfarbe der Wände wird von den roten Sandsteinsäulen und den Gurtbögen belebt. Geringe Andeutungen von Malerei im Stil der Erbauungszeit der Kirche (J. Rademacher, Olpe, 1973) helfen, Nüchternheit zu vermeiden.

Die Liturgiereform des zweiten Vatikanischen Konzils machte eine neue Gestaltung des Chorraumes wünschenswert. Der Altar wurde von der Rückwand der Apsis auf einem vorgezogenen Podest in die Vierung versetzt; Stufen führen an allen drei Seiten herab. So kann die Gemeinde den Altar nicht nur symbolisch, sondern auch wirklich umstehen.

Der erneuerte Chorraum ist mit Werken von Joseph Baron (Bronzeguss oder Kombination aus Bronze und Stein) ausgestattet.

Die Stelle an der Rückwand des Chores in der Hauptachse der Kirche hat die Sakramentsstele eingenommen. Sie ist mit einer großen Kreuzigungsgruppe zu einer Einheit zusammengestellt worden. Diese holzgeschnitzte, farbige Kreuzigungsgruppe im Stil der Spätgotik ist unbekannter Herkunft und gehört zu den ältesten Besitztümern der Pfarrei.

Der überlebensgroße Christus hängt an einem ebenfalls farbig gefassten Kreuz, dessen Enden in gotischem Maßwerk die Symbole der vier Evangelisten zeigen. „Bei ihm erscheint der Schmerz gemildert und vergeistigt … Aus dem Antlitz Christi sprechen Friede und Ergebung in den Willen des Vaters.“ (F. Mund) Die unter dem Kreuz stehenden Figuren von Maria und der Evangelist Johannes sind kleiner, von anderer Hand geschnitzt. Das stört aber keinesfalls. Durch ihre etwas steife Ausführung bringen sie den Gedanken nahe, als lebten sie in einer starren Trauer, der Trauer um einen schon Toten.

Die große Triumphkreuzgrupe ist aus Holz um 1500 in westfälischer Machart hergestellt. Die Dramatik des Passionsgeschehens ist einer Ruhe und innderen Einkehr gewichen, die in der Körperhaltung der flankierenden Figuren zum Ausdruck kommt. Ihre körperverhüllenden Gewänder zeigen eine Faltengebung, die für eine Datierung der Skulpturengruppe um 1500 spricht.

Der im Mittelpunkt der Kirche stehende Altar ist als Tisch gedacht, das Reliquiengrab darunter deutlich sichtbar. Hier wird am Agatha-Fest das Agatha-Reliquiar ausgestellt.

Links vom Altar steht der Ambo, in den drei Kirchenväter von der alten Kanzel eingefügt sind. Die vierte Figur wurde kurz vor der Renovierung gestohlen. Vier große Bronzeleuchtet und der Osterleuchter runden das neue Gesicht des Chorraums ab.

Rechts am Altar befindet sich der Taufstein, dessen deckel „Christus, den Menschenfischer“ darstellt. Der Deckel ist aus Bronze hergestellt.

Im rechten Seitenschiff befinden sich drei farbige, holzgeschnitzte Figuren aus dem 18. Jahrhundert. In der Seitenapsis St. Joseph, sowie auf einer Konsole der heilige Rochus, der nach dem heiligen Martinus und der heiligen Agatha „Rochus unser Schutzpatron“ ist. In der äußersten Apsis ganz rechts steht auf einem Sockel der heilige Sebastian, Namensgeber des St. Sebastianus-Schützenvereins, dem es bis heute ein Anliegen ist, diese Nische zu schmücken und in Ordnung zu halten.

Die Skulptur des heiligen Josefs steht in der Josefs-Kapelle. Sie ist farbig gefasst und wurde sehr wahrscheinlich Mitte des 18. Jahrhunderts von Johann Nikolaus Düringer gefertigt. Josef hält eine Lilie in der rechten Hand, die ein Zeichen seiner Keuschheit ist. Die Kugel in der Hand des Christuskindes symbolisiert den Weltenherrscher.

Die Figur des heiligen Rochus ist ebenfalls farbig gefasst und entstand Mitte des 18. Jahrhunderts wahrscheinlich in der Werkstatt von Düringer. Sie zeigt St. Rochus in Pilgertracht mit Pilgerhut und Pilgerstab sowie Jakobsmuscheln am Mantelkragen. Der Heilige zeigt auf eine Pestbeule am linken Oberschenkel. Der Hund zu seinen Füßen hält ein stück Brot im Maul, das er ihm während seiner Krankheit bringt.

Den Olpe Kirchenbesuchern liegen noch drei Figuren am Herzen:

Die ebenfalls im rechten Querschiff stehende Strahlenmadonna (Pütz, Wiedenbrück), die 1928 von der Jungfrauen-Kongregation gestiftet wurde, sowie im linken Querschiff der Altar „Mariä Himmelfahrt“, namensgleich mit unserer Tochtergemeinde St. Marien.

Die dritte Figur, das lebensgroße „Herz Jesu“ (A. Moortgat, Kleve), wurde den Olpern durch einen Osterzettel nahegebracht, den Pfarrer Menke 1944 über das Kriegsschicksal dieser Figur schrieb.

Alle Figuren sind im Geschmack ihrer Zeit gestaltet und handwerklich gut ausgeführt.

Auf den Wänden der Seitenschiffe stehen, nach Größe gestaffelt, steinerne Figuren von Mathias Beule aus Grevenbrück. Sie waren als Zierrat für die Türme angefertigt, mussten aber Anfang der dreißiger Jahre wegen zu schneller Verwitterung des Steines dort entfernt werden.

Die beiden vorderen, Petrus und Paulus, standen dagegen immer schon in der Kirche und zwar auf der schmalen Trennwand zwischen Hauptchor und Nebenchor. An sie schließen sich heute an:
Auf der rechten Seite: Der Apostel Johannes, dann Leonhard und Rochus,
auf der linken Seite die heilige Agatha (hier werden am 5. Februar eine brennende Kerze und Blumen aufgestellt), Helena und Antonius von Padua. Alle Figuren sind leicht farblich gehalten.

In den Winkel unter der Orgel sind die Reliefs von Gerber und Panneklöpper, aus rotem Sandstein gebaut, eingefügt.

Seit der Seligsprechung der Olper Ordensgründer Maria Theresia Bonzel und der Umbettung ihrer Gebeine von der Kapelle am Olper Mutterhaus auf dem Kimicker Berg in die  Olper Pfarrkirche S. Martinus, befindet sich in der hinteren südlichen Ecke eine Sakramentskapelle. Dort befindet sich unter dem Grabstein der Ordensgründerin ihre letzte Ruhestätte. Ein vergoldeter Tabernakel steht im Zentrum an der Stirnseite der Sakramentskapelle. An der rechten Wand hängt ein modernes Bild der Ordensgründerin. Einige Bankreihen stehen zum Morgenlob der Franhziskanerinnen und zum Beten für die Gläubigen bereit.

Quellenangabe

OLPE. GESCHICHTE VON STADT UND LAND. Herausgegeben im Auftrag der Kreisstadt Olpe von Josef Wermert. Stadtarchiv Olpe. Band 4,1. BILD- UND DOKUMENTARBAND, Olpe 2018

Fotos: Mario Tigges Olpe und Simon Rademacher