Ungewöhnliche Einkleidung im Mutterhaus

Ungewöhnliche Einkleidung im Olper Mutterhaus

Normalerweise erhalten junge Postulantinnen, bevor sie das Noviziat beginnen, in einer feierlichen Vesper das Ordenskleid und den Schleier als äußeres Zeichen der inneren Zugehörigkeit zur Ordensgemeinschaft. Das war auch vor mehr als 60 Jahren bei Sr. Maria Martha, Sr. Tabitha und Sr. Ludgeria so als sie in Olpe im Mutterhaus ihr Ordensleben angefangen haben. Dann sind sie vor mehr als 50 Jahren als Missionarinnen nach Brasilien ausgesandt worden. Dort haben sie, wie viele andere Gemeinschaften auch, ihr Ordenskleid abgelegt und sind in zivil gegangen. 2012 aus Brasilien zurückgekehrt, wurde ihnen freigestellt, ob sie wieder Ordenskleid tragen wollten oder nicht.
Sr. Ludgeria hat sich für das Ordenskleid entschieden, die anderen beiden, und eine weitere Schwester in Oberpleis, blieben in ziviler Kleidung. Nun haben sie sich, kurz vor dem Pfingstfest entschieden, wieder Habit und Schleier zu tragen. Gleichzeitig mit Ihnen hat Sr. Itelvanira, die seit Januar, aus Brasilien kommend im Mutterhaus lebt, die gemeinsame Tracht angelegt.
In einer festlichen Vesper am Vorabend des Hohen Pfingsfestes, hat Generaloberin Sr. Magdalena Krol noch einmal in wenigen Sätzen zusammengefasst, was in vielen Debatten der letzten Jahrzehnte immer wieder Thema war. Sie sagte:
„Liebe Schwestern, wir beginnen mit dieser Vesper die Feier des Pfingstfestes. Gleichzeitig begrüßen wir drei unserer Schwestern im Ordenskleid unserer Gemeinschaft. Eine Einkleidung – aber keine Aufnahme in das Noviziat. Was feiern wir dann? 

„Als Zeichen der Weihe und Einheit tragen wir ein braunes Ordenskleid und einen schwarzen Schleier.“ So steht es in unseren Konstitutionen. (praktische Bestimmungen der Ordensregel)

Danach sind die Regeln für die Ausnahmen davon aufgelistet. Unsere Schwestern haben viele Jahre mit diesen Ausnahmen gelebt. Ihre innere Zugehörigkeit zur Gemeinschaft und ihrer Weihe war fest in ihrem Leben verankert. Trotzdem musste beides nach außen immer wieder erklärt und bestätigt werden. Ihr kennt alle die jahrzehntelangen Diskussionen über das Für und Wider eines Ordenskleides. 

Das offensichtliche Zeichen der Weihe an Gott und der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft konnte dadurch nicht aufgelöst werden. In unseren immer vielfältigeren gesellschaftlichen Wirklichkeiten ist es heute wichtiger als noch vor einigen Jahrzehnten, sehr deutlich seinen persönlichen Standpunkt und seine religiöse Verankerung zu zeigen, wirklich sichtbar zu machen.

Ein Ordenskleid ist mehr als ein Symbol oder das Resultat einer verpflichtenden Kleiderordnung, wie sie es für viele Berufe und Vereinigungen gibt.   

Paulus schrieb im Brief an die Römer: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ Er meint damit alle Getauften, also auch uns. Am Pfingstfest besingen wir Feuer und Sturm als Zeichen der Nähe des Heiligen Geistes; das sind gewaltige Zeichen. Wir können durch unser eigentlich harmloses Kleidungsstück ebenfalls aufmerksam machen auf den Heiligen Geist, der in uns und in der Welt lebt und wirkt.

Ich danke Sr. Tabita, Sr. Maria-Martha und Sr. Itelvanira, dass sie bereit sind, ihrer veränderten Lebenssituation in unserer Gemeinschaft auch optisch und zeichenhaft zuzustimmen. Das Gleiche gilt für Sr. Ludgeria, die diese Entscheidung viel früher getroffen hat!“ Soweit Sr. Magdalena. 

Im Anschluss an diese Vesper und das gemeinsame Abendessen gab es ein überraschendes und munteres Pfingstkonzert der Egerlandbesetzung des Musikzuges des Freiwilligen Feuerwehr Drolshagen unter der Leitung von Jan Schröter. Da das Konzert im Innenhof weithin zu hören war, hatten viele Anwohner am Kimicker Berg Anteil an diesem wunderschönen Abend.